Monatsarchiv für Oktober 2006

Dajosch

Der Ganovenhund

Meine Lieben!

Es gibt einmal mehr viel zu erzählen….
Am letzten Freitagabend haben Carla und Claudia die Koffer gepackt und sind nach Rom gefahren. Wir Männer blieben zu Hause. Jemand musste ja hier die Stellung halten. Eigentlich wäre ich gerne mitgefahren, aber alle haben mir erklärt, dass ich dazu noch zu klein bin. Daraufhin habe ich mich im Spiegel betrachtet und fand, dass dies nur eine billige Ausrede war. Ich bin schon fast ein Riese und ich wachse täglich. So, das wäre nun geklärt. So schnell wird man für dumm verkauft.

Wir Männer hatten es logischerweise lustig miteinander. Keine Frauen, die uns in irgendeiner Form reinredeten. Eine tolle Erfahrung!!! Am Sonntag gingen wir auf eine Alp. Ich musste nicht mehr weit laufen, weil Erich weit hinauffahren konnte. Dort oben war es einfach herrlich, lauter fei riechende Wiesen und ich durfte mit Erich um die Wette sausen. Natürlich kehrten wir ein und liessen uns von der Sonne den Pelz wärmen. Es war ein Bilderbuchtag. Am Montag und Dienstag war ich dann mit Erich unterwegs. Jemand muss ja Geld verdienen, damit die Frauen es ausgeben können… Am Dienstagmittag kamen die beiden nach Hause und ich war froh und glücklich, sie wieder zu haben. Aus lauter Freude habe ich ihre Gesichter stürmisch gewaschen. War das eine Aufregung! Ich habe sie grausam vermisst, aber das lässt Hundemann sich nicht anmerken. Nun ist mein Glück wieder vollkommen.

Stellt euch vor, heute Nachmittag kommt Daniel nach Hause. Ich freue mich unendlich ihn einmal persönlich zu beschnuppern. Bis jetzt habe ich nur von ihm gehört – und er von mir. Ich bin ja gespannt, ob ich mit ihm auch so gut klar komme wie mit Carla. Er bleibt die nächsten Wochen zu Hause, das heisst, er fährt jeden Tag nach Zürich an die Uni. Das ist glaube ich eine Schule für die grossen Hunde, äh, Menschen. Vielleicht nimmt er mich einmal mit. Darf man nach dem Junghundeerziehungskurs dort weitermachen? Werde ihn einmal fragen.

Am Dienstagnachmittag habe ich Claudia geärgert. Hi hi! Sie wollte einen Früchtekuchen backen. Sie machte den Teig, belegte die Form damit und ging in den Keller. Ich nichts wie los, stellte mich auf die Hinterpfoten, packte die Glasform und riss sie zu Boden. Bis sie mit dem gefrorenen Rhabarber zurückkam, frass ich nach Herzenslust den Teig. War das lecker. Ui, als sie mich mit mehliger Schnauze mitten im Chaos sitzen sah, überschlug sie sich nicht gerade vor Freude. Sie packte mich und sperrte mich in den Garten. Da sass ich nun und wartete vergeblich auf den Rest des Teiges. Er kam nicht. Aber sie machte die Rechnung ohne Dajosch. Ich habe mit der Katze geschmust und die hat für mich eine Tüte mit Fleisch stibitzt. Teamwork kann phänomenal sein und dieses Mal passte einfach alle. Ich trug den Sack in der Schnauze, preschte an Claudia vorbei und flitzte hinaus in den Garten. Gott sei Dank klingelte das Telefon und so konnte sie mich nicht einfangen. Glück muss der Hund haben. Ein klein wenig hatte ich ein schlechtes Gewissen darum bemühte ich mich nachher von Herzen ein artiger Hund zu sein. Diese Vorsätze waren aber nicht von langer Dauer. Gestern stach es mich wieder und ich stahl die frisch entwickelten Fotografien. Ich wollte sie ja nur anschauen. Sie waren zum Fressen süss… Natürlich waren sie fast alle von mir. Also, keine Aufregung. Ich habe auch noch versucht den Fotochip zu fressen. Der schmeckte abscheulich. Ich habe nur meine Zähne an ihm ausprobiert. Das mache ich nieeee wieder. Versprochen. Das hat nur einen Faltenjupe auf Erichs Gesicht gezaubert – und mit so vielen Runzeln sieht er zum Fürchten aus. Ich wollte dieses Malheur wieder gut machen und wusch alle Teller in der Gespirrspülmaschine mit meiner Zunge ab. Aber auch diese gute Tat blieb ohne Früchte. Was Hund auch macht, es wird einfach nicht geschätzt.

So, es ist höchste Zeit. Wir müssen zum Bahnhof.

Liebe Grüsse und einen dicken Hundekuss
Euer Ganovendajosch
P.S. Sitze aber noch nicht hinter schwedischen Gardinen

Dajosch

Lebenszeichen

Meine Lieben alle!

Endlich wieder Lebenszeichen von mir. Lang lang ist’s her, ich weiss. Es ereignet sich aber auch jeden Tag so viel, dass ich am Abend nur noch todmüde in mein Hundebettchen falle und schnarche.

Bei uns ist das Wetter dermassen prächtig, dass es ein Muss ist, draussen zu sein. Wer setzt sich bei den Hundstagen an den Compi? Ich nicht. Und ausserdem habe ich Ferien. Schön, wenn man ein Frauchen hat, das so arbeitet wie meines. Kurze Anstrengung und dann wieder Pause. Wenn ich einmal gross bin, werde ich auch Lehrer! Vielleicht werde ich aber auch Koch oder Baggerführer oder Polizist oder Schornsteinfeger…… ich will mich diesbezüglich noch nicht festlegen!

Gestern waren wir an einem See hoch oben in den Bergen. Dort roch es phänomenal gut. Mein Schnüpperchen hatte es richtiggehend streng, jede Menge Arbeit. Diese feinen Gerüche habe ich in mich eingesaugt und gespeichert. Ich habe gebadet, na ja, die Füsse und weil ich einmal kurz unachtsam war, auch meinen Bauch. Irgendwie ist mir dieses Element noch nicht ganz geheuer, aber das kommt schon noch, hoffe ich jedenfalls. Vielleicht besuche ich einmal einen Schwimmkurs für Welpen und wenn mir das Freude macht, auch noch einen Tauchkurs. Dajosch mit einer Sauerstoffflasche und Flossen…. da muss sogar ich selber lachen. Diese Tortur lasse ich erst über mich ergehen, bevor wir in die Karibik fahren und da Claudia unter Flugangst leidet, bleibt mir das wahrscheinlich erspart.

Im See habe ich nach den Leckerli gefischt, die man mir vor die Schnauze geworfen hat. Da kommt richtig Stimmung auf. Die Wiese fand ich fast ebenso toll, bis ich mit der linken Vorderpfote in ein Loch plumpste. Ich erschrak grauenhaft und schrie wie am Spiess. Claudia hat mich auf den Arm genommen und zu Erich getragen. Gott sei Dank war es nur der Schreck, der mich bleich werden liess. Claudia, die böse Zwetschge sagte, dass ich eine typische männliche Memme (Weichei, für Nicht-Eidgenossen) sei. Da haben wir Männer uns so richtig dagegen gewehrt. So gemein kann die sein. Würde man ihr gar nicht zutrauen, aber oha!!!

Habe ich euch schon erzählt, dass ich letzte Woche mit Erich im Puschlav war? Nicht? Also, dieses Tal liegt im Süden des Kantons Graubünden. Dort spricht man italienisch. Verstehe leider kein Wort, aber die Mimik und die Gesten der Leute sind dieselben. Ausserdem kann ich die Stimmlage der Leute schon supergut interpretieren. Da bin ich ein angehender Weltmeister. Wir sind über 2 Pässe gefahren und natürlich haben wir dazwischen einen Pinkelhalt gemacht. Was sein muss, muss eben sein. Diese zauberhafte Landschaft lässt jedes Hundeherz höher schlagen. Das war ein echt „geiler“ Tag. Ich weiss, dieses Wort darf man nicht brauchen, aber ich höre das immer wieder in der Schule. Musste es einfach auch einmal benutzen, sorry! Kommt bis zum nächsten Mal bestimmt nicht mehr vor, grosses Hundeehrenwort!

So langsam kenne ich meinen Heimatkanton sehr gut. Ich war schon in Klosters, Davos, Arosa und St.Moritz, überall dort wo sich die Haisosajätie trifft. (Entschuldigt, aber englisch kann ich wirklich noch nicht!) Ich kann euch meine Heimat wirklich empfehlen. Sie ist schlichtweg traumhaft. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass es mit Erich so wunderschön ist. Ich leihe ihn euch gerne einmal ein paar Stunden aus, mehr aber nicht!

Vor zwei Wochen war ich bei einem weiblichen Tierarzt. Sie hat mir den Chip verpasst und eine Spritze in meinen Popo gejagt. Sie findet mich unwiderstehlich. Eine komische Art mir dies zu zeigen! Findet ihr nicht auch? Sie hat geschwärmt wie prächtig ich mich entwickle, wie gut ich aussehe und was für wache Augen aus diesem Traumfell gucken würden. Na ja, solche Komplimente beeindrucken mich nicht mehr so sehr. Ich bin sie gewohnt.

Heute Morgen war ich mit meinen beiden Frauen in der Stadt. Carla musste noch ein paar Sachen für ihre neue Wohnung einkaufen. Ich gehe gerne shoppen. Das ist lustig und ich kann so viele mir unbekannte Sachen sehen und erleben. Wir sind ein paar andern Vierbeinern begegnet und ich habe alle angelächelt. Das bringt keinen Ärger. Clever, nicht wahr. In der Welpenschule kümmere ich mich immer um die Randfiguren. Letztes Mal habe ich mit einem knurrenden Kampfhund gespielt. Ich bin überzeugt, dass er gar nicht so wäre, aber eben: Wie der Meister…… Ich habe ihn soweit gebracht, dass er seinen Schwanz auch einmal unter dem Bauch hervorholte. Diese Leistung erfüllte mich mit Stolz.

Mir geht es rundum prima. Ich bin schon ein grosser Hund geworden (fast 15 kg) und ich freue mich, bis ich Daniel kennen lerne. Er kommt nächste Woche aus den deutschen Landen nach Hause. Das gibt sicher ein Fest….. und Feste mag ich.

So, nun düse ich ab Richtung Bett. Ich brauche dringend meinen Schönheitsschlaf.

Macht’s gut ihr lieben alle, lasst es euch gut gehen und seid ganz lieb von mir umarmt! Einen dicken nassen Hundekuss von

Eurem Dajosch

P.S. Ich hoffe, ich träume von der schönsten Hundedame Juwel, die keine deutsche Schäferhündin, sondern eine Malinois ist ………… und MIR geschrieben hat. Ist das nicht beneidenswert? Mache gerade vor lauter Freude noch schnell einen Purzelbaum……. in mein Bett. Schlaft gut und träumt auch süss!!!