18.10.2006
Der Ganovenhund
Meine Lieben!
Es gibt einmal mehr viel zu erzählen….
Am letzten Freitagabend haben Carla und Claudia die Koffer gepackt und sind nach Rom gefahren. Wir Männer blieben zu Hause. Jemand musste ja hier die Stellung halten. Eigentlich wäre ich gerne mitgefahren, aber alle haben mir erklärt, dass ich dazu noch zu klein bin. Daraufhin habe ich mich im Spiegel betrachtet und fand, dass dies nur eine billige Ausrede war. Ich bin schon fast ein Riese und ich wachse täglich. So, das wäre nun geklärt. So schnell wird man für dumm verkauft.
Wir Männer hatten es logischerweise lustig miteinander. Keine Frauen, die uns in irgendeiner Form reinredeten. Eine tolle Erfahrung!!! Am Sonntag gingen wir auf eine Alp. Ich musste nicht mehr weit laufen, weil Erich weit hinauffahren konnte. Dort oben war es einfach herrlich, lauter fei riechende Wiesen und ich durfte mit Erich um die Wette sausen. Natürlich kehrten wir ein und liessen uns von der Sonne den Pelz wärmen. Es war ein Bilderbuchtag. Am Montag und Dienstag war ich dann mit Erich unterwegs. Jemand muss ja Geld verdienen, damit die Frauen es ausgeben können… Am Dienstagmittag kamen die beiden nach Hause und ich war froh und glücklich, sie wieder zu haben. Aus lauter Freude habe ich ihre Gesichter stürmisch gewaschen. War das eine Aufregung! Ich habe sie grausam vermisst, aber das lässt Hundemann sich nicht anmerken. Nun ist mein Glück wieder vollkommen.
Stellt euch vor, heute Nachmittag kommt Daniel nach Hause. Ich freue mich unendlich ihn einmal persönlich zu beschnuppern. Bis jetzt habe ich nur von ihm gehört – und er von mir. Ich bin ja gespannt, ob ich mit ihm auch so gut klar komme wie mit Carla. Er bleibt die nächsten Wochen zu Hause, das heisst, er fährt jeden Tag nach Zürich an die Uni. Das ist glaube ich eine Schule für die grossen Hunde, äh, Menschen. Vielleicht nimmt er mich einmal mit. Darf man nach dem Junghundeerziehungskurs dort weitermachen? Werde ihn einmal fragen.
Am Dienstagnachmittag habe ich Claudia geärgert. Hi hi! Sie wollte einen Früchtekuchen backen. Sie machte den Teig, belegte die Form damit und ging in den Keller. Ich nichts wie los, stellte mich auf die Hinterpfoten, packte die Glasform und riss sie zu Boden. Bis sie mit dem gefrorenen Rhabarber zurückkam, frass ich nach Herzenslust den Teig. War das lecker. Ui, als sie mich mit mehliger Schnauze mitten im Chaos sitzen sah, überschlug sie sich nicht gerade vor Freude. Sie packte mich und sperrte mich in den Garten. Da sass ich nun und wartete vergeblich auf den Rest des Teiges. Er kam nicht. Aber sie machte die Rechnung ohne Dajosch. Ich habe mit der Katze geschmust und die hat für mich eine Tüte mit Fleisch stibitzt. Teamwork kann phänomenal sein und dieses Mal passte einfach alle. Ich trug den Sack in der Schnauze, preschte an Claudia vorbei und flitzte hinaus in den Garten. Gott sei Dank klingelte das Telefon und so konnte sie mich nicht einfangen. Glück muss der Hund haben. Ein klein wenig hatte ich ein schlechtes Gewissen darum bemühte ich mich nachher von Herzen ein artiger Hund zu sein. Diese Vorsätze waren aber nicht von langer Dauer. Gestern stach es mich wieder und ich stahl die frisch entwickelten Fotografien. Ich wollte sie ja nur anschauen. Sie waren zum Fressen süss… Natürlich waren sie fast alle von mir. Also, keine Aufregung. Ich habe auch noch versucht den Fotochip zu fressen. Der schmeckte abscheulich. Ich habe nur meine Zähne an ihm ausprobiert. Das mache ich nieeee wieder. Versprochen. Das hat nur einen Faltenjupe auf Erichs Gesicht gezaubert – und mit so vielen Runzeln sieht er zum Fürchten aus. Ich wollte dieses Malheur wieder gut machen und wusch alle Teller in der Gespirrspülmaschine mit meiner Zunge ab. Aber auch diese gute Tat blieb ohne Früchte. Was Hund auch macht, es wird einfach nicht geschätzt.
So, es ist höchste Zeit. Wir müssen zum Bahnhof.
Liebe Grüsse und einen dicken Hundekuss
Euer Ganovendajosch
P.S. Sitze aber noch nicht hinter schwedischen Gardinen