Monatsarchiv für November 2006

Dajosch

Taten sprechen mehr als Worte

Meine Lieben alle im schönen Golling!

Seit ungefähr einer guten Woche lebe ich streng nach dem Motto: Jeden Tag mehrere gute Taten! Einen Haken hat das Ganze allerdings. Meine Familie und ich teilen nicht dieselben Ansichten darüber, was eine gute Tat ist. Ich sage euch, solche Missverständnisse können anstrengend werden. Ich spreche da aus eigener Erfahrung.
Ich kann euch problemlos einige Beispiele erzählen. Eigentlich wollte ich immer nur mein Bestes geben…

Also, ich sah, dass Claudia am putzen war und ich wollte ihr helfen. Sie saugte auf der oberen Etage und wollte dies partout alleine machen. Warum weiss ich nicht. Ich helfe ihr immer, indem ich in den Schlauch beisse. Die Türe zur Treppe war und blieb zu. Zugegeben, darüber war ich ein wenig frustriert, doch dann überlegte ich mir, wie ich ihr helfen könnte, damit wir schneller fertig werden und dann ausgiebig miteinander spielen können. Da mich die Mineralflaschen von jeher brennend interessiert haben und „nur“ die leeren zum spielen bekam, entschloss ich mich kurzerhand die Gunst der Stunde zu nutzen und einmal ein volle Flasche zu stibitzen. Das war die reinste Schwerarbeit meine Lieben. 1.5l sind doch eine Menge Gewicht für einen Hund, der gerade zu diesem Zeitpunkt auf das neue Gebiss wartet. Ich liess nicht locker und schaffte es natürlich auch. Meine Idee war, den Boden mit dem Inhalt zu putzen. Das ist leichter gesagt als getan. Versucht einmal den Verschluss mit den (Rest)zähnen zu öffnen. Ich schwitzte ordentlich. Als das Nass sich auf dem Boden verteilte, klopfte ich mir einmal tüchtig auf die Schulter. Wie schrubbt man aber einen Boden ohne Bürste? Weit und breit war keine zu sehen. Die Türe zum Garten war leider zu, denn dort liegt der gesamte Bürstenstand der Familie, fein säuberlich im Rasen. Jede Bürste ist eigenhändig von mir tätowiert worden. In der Not bin ich sehr erfinderisch. Ich kann meine 4 Pfoten als Feger einsetzen. Nicht lange studieren, sondern sofort ausprobieren! Im Flur nahm ich Anlauf und rutschte durch die Pfütze. Menschenskinder, machte die Art von putzen Spass. Immer wieder nahm ich Anlauf und rutschte durch die Küche. Dazwischen stampfte ich mit den Pfoten ins Wasser, dass er nur so spritzte. Eine richtige „Gaudi!“ Claudia kam und sah sich die Bescherung an. Sie musste lachen und meinte, ob ich für die Eiskunstlaufmeisterschaften übe und ob ich die Pirouetten schon beherrsche…  Kein Dankeswort kam über ihre Lippen, nur Spötteleien…

Dass ich klaue, davon habe ich euch schon berichtet. Ich werde einmal ein grosser Pate und mache Karriere. Ich habe aber gelernt, dass man nicht alles klauen sollte, sondern gut überlegen muss, was es denn sein soll. Hund lernt nicht aus.

Wenn Claudia in der Küche steht, bin ich bei ihr. Ich unterstütze sie mit meinem treusten Hundeblick beim Kochen und stehe ihr permanent im Weg. Am Samstag, dem 28.11. auch. Sie benutzte „meine“ Küchenmaschine, mit der sie immer mein Futter macht. Dieses Geräusch erkenne ich aus Tausenden. Mmhhh, es roch zwar nicht nach meinem Futter, aber auch fein. Sie erklärte mir, dass es nicht für mich sei, sondern Hefeteig für den Sonntagszopf. Da die ganze Familie da sei, mache sie einen grossen von 1kg Mehl. Okay, mir soll’s recht sein, interessiert mich eh nicht. Als sie aber das Ding mit Eigelb bestrich, kitzelte mich das in der Nase und gab den Befehl zum Abschuss, ähm, zum Versuchen. Der Backofen surrte schon, also hiess das: Beeilung. Erich und Claudia zogen die Schuhe an und verabschiedeten sich von Daniel und mir. Wenn der jetzt noch in der Küche bleibt, dann kann ich mir den Zopf abschminken. Gott sei Dank lief er kurz in sein Zimmer. Ich brauche nicht lange zum Fressen…. ich habe das ganze Ding samt Backtrennpapier gefressen. Leider bewegte ich mich dabei nicht gerade auf Samtpfoten und Daniel schoss wie ein Pfeil heran. Da war es schon zu spät. Das Ding lag mir im Magen… Betonung auf LIEGEN! Au weia, jetzt kann ich nachfühlen, wie sich meine Mutter in den letzten Schwangerschaftstagen gefühlt haben muss. Ich bekam schon fast Angst, dass ich zu einer Hündin mutiert bin – und erst noch zu einer schwangeren! Ein unvorstellbar schrecklicher Albtraum.
Daniel telefonierte und Erich und Claudia standen blitzschnell wieder auf der Matte. Sie sprachen mit dem Tierarzt und machten ernste Gesichter. Falls mir die Masse hochkommen wolle, müsse ich in die Klinik und dann würde ich operiert. Einen Kaiserschnitt und nur Teigbabies, nein, das wollte ich nicht. Ausserdem würde dann eine hässliche Narbe auf meinem Bauch bestehen bleiben. Nein danke, das brauche ich nun gar nicht. Wie macht sich das auch, wenn mich eine meiner Angebeteten nach der Ursache fragt und ich müsste ihr sagen, dass ich „nur“ Teig gefressen habe…….. Bringt mir sicher keine Sonderpunkte ein. Ich entschloss mich die ganze Sache durch den Hinterausgang zu bereinigen. Nach einem längeren Spaziergang stellte ich meinen Bauch ab und legte mich daneben. Ich sah wirklich entsetzlich aus. Vorne schlank und hinten dick, wie ein Anakonda, die gerade gefressen hat. Die ganze Nacht verfolgte mich mein Bauch. Morgens um 3 Uhr kam die erste Erlösung. Ich düngte den Rasen. Nach einem feinen Müesli mit Äpfeln zum Morgenessen wurde mir wieder wohler.

Sonst bin ich sehr artig. (Wenigstens aus meiner Sicht). Im Jungehundekurs bin ich der Jüngste, aber ich gebe alles. Am liebsten suche ich Claudia wenn sie sich versteckt hat. Da fliege ich nur so über den Boden hin.
Ich bin nun schon gross und reiche Claudia, wenn ich sitze, schon bis zu den Hüften.

Übrigens die ganze Familie schmust phänomenal. Dazu lege ich mich auf den Rücken und versuche die Katzen zu imitieren. Es hört sich schon beinahe wie das Schnurren an, aber eben nur beinahe. Ich bin sowieso ein sehr kommunikativer Hund. Reden gehört zu meinen liebsten Hobbies. Oft haben wir lange und intensive Gespräche miteinander und wenn die andern meine Meinung zu wenig akzeptieren, schaffe ich mir durch lautes Bellen Gehör. Man tut eben so, wie man kann.

Ihr seht, uns allen ist Langeweile ein Fremdwort. Das soll auch so sein. Das erhält alle jung.

Hoffentlich denkt ihr jetzt nicht allzu schlecht über mich. Vergesst nicht, ich bin erst 19 Wochen alt und muss noch sehr viel lernen. Aber ohne solche Versuche bleibt man stehen und das will ich auf gar keinen Fall.

Seid alle herzlichst umarmt und geküsst von eurem „klitzekleinen“ Schlitzohr Dajosch ;-))