Monatsarchiv für August 2007

Dajosch

Spanienerlebnisse

Meine grosse Reise

Seit Wochen höre ich beinahe nichts anderes mehr als: „ Bald haben wir Ferien und dann reisen wir nach Spanien. Dort gefällt es dir bestimmt richtiggehend gut.“ Leider konnte ich mir gar nichts darunter vorstellen, nicht einmal dann, wenn ich meiner regen Fantasie freien Lauf liess. Habe mich informiert und eines weiss ich nun, es ist mit Sicherheit kein Leckerli. Alles andere interessiert mich weniger. Hauptsache, meine Zweibeiner sind mit von der Partie…

Am 30. Juli fingen die beiden an zu „spinnen.“ Bitte entschuldigt diesen Ausdruck, aber ein anderes Wort fällt mir dazu nicht ein. Sie stellten das ganze Haus auf den Kopf und holten so komische viereckige Dinger aus dem Keller. Diese Dinger frassen ihre Klamotten. Ich konnte nur noch staunen. Ein bisschen mulmig wurde mir schon, alles war für mich so ungewiss. Dann packten sie meine Fressutensilien ein und genau ab dann wusste ich, dass ich nicht zuhause bleiben muss. Das wäre ja noch schöner, wenn sie ohne mich weg wären, nachdem ich den ganzen Tag meinen süssesten Gesichtsausdruck aufgelegt hatte. Das ist ganz schön anstrengend, das kann ich euch sagen. Habe Muskelkater im Gesicht.
Ich stieg brav ins Auto ein und machte mir’s in meiner Box gemütlich. Zuerst interessierten mich noch die Autos die hinter uns fuhren. Bin ja ein Mannsbild und denen sind die Automarken und PSs nie schnuppe. Obwohl ich mich mit all meiner Kraft dagegen wehrte… fielen mir die Augen zu. Ich glaube Erich und Claudia hatten dasselbe Problem, denn sie hielten und sagten mir, dass sie hundemüde seien. Was für ein Ausdruck, hmmm! Erich und ich drehten noch eine Runde bevor es ins Bett ging.
In diesem Dörfchen wohnt in jedem Haus ein Hund. Leider konnte ich ihre Sprache nicht verstehen. Der Tonfall ihrer Stimme schien jedoch nett zu sein und das freute mich. Eine Katze besuchte mich und schnupperte neugierig ins Auto. Als ich sie zu einem Schwatz unter Vierbeinern einlud, nahm sie Reissaus. Schade. Vielleicht hätte ja sie meine Sprache verstanden.
Früh am Morgen durfte ich nochmals Gassi gehen und vor Freude sprang ich wie ein wildgewordener Stier auf der Wiese herum. Schon bald rollten die Räder wieder und dieser Singsang machte mich wieder schläfrig. Mein Bauch war voll, die Blase leer und weit und breit kein Ball in Sicht, mit dem man hätte spielen können. Tja, dann taucht Hund eben wieder ab ins Traumland. Ab und zu machten wir Halt, damit alle das Bein heben konnten… das heisst: nur Erich. Claudia und ich können das noch nicht. Ich kann es mit Sicherheit vor Claudia. Da gehe ich jede Wette ein!!!
Am Abend um 9 Uhr stiegen wir aus. Menschen wurden umarmt, es wurde geredet, gelacht, gejauchzt vor Freude. Es schien, dass wir unser Ziel endlich erreicht haben.
Hehe, was ist denn das für ein Gebell? Ein vierstimmiger Chor scholl an mein Ohr und jede Menge Frauenparfum füllte mein Schnuppernäschen. Wow, so viele Frauen kamen auf mich zugestürmt. Sind die wohl Spanien? Wenn das so ist, dann bleibe ich für immer.
Ich wurde begrüsst und welch Freude, alle 16 Pfoten sprechen deutsch. Intelligente Wesen oder 2sprachig aufgewachsen, schoss mir durch den Kopf. Das wird mit Bestimmtheit ein interessanter Abend!
Ich wurde beschnuppert und das liess ich mir sehr, sehr gerne gefallen. Meine ganze Freude wollte ich ihnen auf meine Weise zuteil kommen lassen. Na ja, vielleicht war ich ein wenig überschwänglich… ich wurde zurechtgewiesen. Dabei wollte ich doch nur ein Galan sein.
Leider musste ich im Schnellkursverfahren lernen, wie undankbar diesbezüglich Frauen sein können. Immer wieder probierte ich sie zu umgarnen, leider ohne Erfolg. Ich weiss jetzt, wie schön 3 der vier Hündinnen knurren und keifen können. Vielleicht gehe ich ja doch wieder zurück in die Schweiz…

So viele Frauen sind für einen 13 Monate alten Rüden doch eine Nummer zu gross. Ich wage zu behaupten auch für ältere Knaben als mich.

Nach einer kurzen Nacht mit wilden Träumen ging’s nach dem Frühstück der Hundedame Candy (habe ihr alles weggefressen, hi hi) ins eigentliche Feriendomizil. Die Gastfreundschaft von Nicolette und Rodolfo, ihren Kindern und den Vierbeinern war toll, trotzdem war ich froh, den Frauen zu entkommen…
Das Haus von Erichs Mutter liegt an einer Toplage und ist auch so eingerichtet. Für mich ist der Garten eine Sensation. Überall führen Wege durch die liebevoll angelegten Blumenrabatten. Ich bemühe mich ehrlich nicht daneben zu treten. Es gelingt mir auch gar nicht übel.

Ich sage euch, mir gefällt’s! Und wie!!!

Gegen Abend besuchten wir Paula. Sie ist ein paar Monde über 21 Jahre. Sie hat ihr ganzes Leben lang Hunde gehabt. Ich weiss nicht, wie viele. Bestimmt an die zehn. Jetzt hat sie auch einen und drei Mal dürft ihr raten, natürlich noch eine SIE.
Hilfe, das übersteigt so langsam meine Kräfte. Auch sie zeigte mir ihr Pepsodentknurren. Irgend etwas mache ich falsch. Ich will ja gar kein Casanova sein, nur spielen. Dass die Frauen das nicht kapieren? Da sind komplizierte Wesen. Ich bin nur froh, dass ich kein Mädchen bin. Ich glaube, das zickenhafte Getue wäre mir zu anstrengend und das noch bei dieser Hitze. Ich kann das holde Geschlecht nicht verstehen und dabei bemühe ich mich so!
Habt ihr je einen Mann getroffen, der die Frauen versteht? Wenn ja, bitte sofort die Adresse durchgeben, damit ich bei ihm in die Lehre gehen kann. Anscheinend besitze ich im Umgang mit der Weiblichkeit nur Mankos.

Genau wie bei Nicolettes Familie wurde ich auch hier begutachtet und das, was sie sahen oh là là, das gefiel ihnen. Wenigstens mache ich bei den Menschen Eindruck. Ist auch gut so, sonst würde ich so langsam depressiv. Nach dem tollen Spaziergang und dem feinen Essen war für mich die Welt wieder in den Angeln und ich genoss den Schlaf der Gerechten.

Seltsames Wasser und gleich in rauen Mengen

Wow, habe ich fein geschlafen, so richtiggehend wohlig gut. Ist ja auch toll neben meinen beiden Zweibeinern, obwohl Erich so komische Laute von sich gibt. Es ist gerade so, als wenn er das Knurren üben würde oder einen Wald abforsten. Was soll’s? Hauptsache wir sind alle zusammen.
Als ich nicht mehr müde war, lief ich flugs zu Claudia und ersparte ihr mit meiner Zunge die Morgentoilette. Sie lachte und machte für einen Nachtmenschen ziemlich schnell Anstalten, aufzustehen. Ich war ihr ständiger Begleiter. Nicht, dass sie mich in der Hitze des Gefechts vergisst.
Die Temperatur draussen war angenehm kühl. Aber, was soll der Rucksack den Erich gepackt hat? Ich dachte, dass wir Ferien haben und das Dolce far niente geniessen, die Seele baumeln lassen, bestimmt keine Blasen an den Füssen bekommen, nur dem Nichtstun frönen.
Nun eben, ich denke, dass im Rucksack nur Leckerli fürs Hundevieh sind. Ein mir sehr angenehmer Gedanke, den ich gleich adoptiere. Kann man Gedanken adoptieren? Egal, ich kann es!
Wir fuhren nur kurz und dann liefen wir zu einem riesigen Wasserbecken. So ein grosses habe ich noch nie gesehen. Es fängt einfach an und hört nie auf. Man sieht das Ende nicht, auch wenn man sich auf die Zehenspitzen stellt oder sich beim genaueren Betrachten beinahe den Kopf verrenkt.

Wellen fassten nach meinen Füssen. Natürlich biss ich unverdrossen hinein. Na ja, das Aroma des spanischen Wassers wird kein Kassenschlager. Die sollten das mal überprüfen und Marktforschung betreiben. Meines Erachtens könnte man mit einem „cleveren Händchen“ sehhhhr viel Geld verdienen. Wie wär’s mit Fleischaroma oder mit einem Hauch von Hundecola?
Erich ging einfach in die grosse Badewanne und jauchzte und spritzte. Ich zog es noch vor bei Claudia zu bleiben. Aber diese freche Zwetschge holte aus dem Rucksack meinen Lieblingsball und warf ihn in die tosende Gischt, na ja, in die kleinen Wellen. Aber tosende Gischt gefällt mir entschieden besser. Bin eben ein Hund mit literarischem Verständnis. Ich sah zu, wie mein Ball mit den Wellen tanzte und genau dann packte mich die Wut. Das ist mein Ball und den hole ich mir im Nullkommanichts zurück. Das wäre ja gelacht, wenn ich das nicht schaffen würde.
Tja, und so lernt Hund die Angst überwinden.
Stellt euch vor, ich schwamm und schwamm und schwamm. Es machte richtig Spass. Ich flitzte aus dem Wasser und machte Freudensprünge beinahe in den Himmel hinauf. Mein Ball flog mir um die Ohren und ich drehte Ehrenrunden wie der Schumi nach einem gewonnenen Rennen. Ich bin ja so stolz auf mich und meine Zweibeiner auch. Es war ein Erlebnis der feinsten Art, das ich nie vergessen werde.
Genau zu diesem Zeitpunkt beschloss ich: Ferien in Spanien, ja, das gefällt mir, auch wenn sie nicht fressbar sind! Übrigens, habt ihr schon die einheimischen Hühnchen versucht? Ich schon. Schmecken äusserst lecker, mmmhhhhh! Da können die Deutschen -  und die Schweizerhähnchen geradewegs zusammen packen und auswandern —- nach Spanien!!!

Hundeerlebnisse

Das Leben hier ist wirklich ein Traum. Morgens wecke ich die 2 müden Seelen, (die gehen aber auch soooo spät in die Klappe) da kenne ich kein Pardon und dann geht’s ab in die Reisfelder. Das ist genial, das kann ich euch mit dem besten Gewissen verklickern. Es hat Wasser rechts, Wasser links und mittendrin nur feine Gerüche. Paradiesische Zustände. Nur einmal war ich zu kühn. Ich sprang ins Wasser und kam nicht mehr raus. Uiiiii, saudumme Situation. Ich dachte schon, dass ich in dieser „Kloake“ (Ausdruck von Claudia über dieses stehende Gewässer) bis an mein Lebensende ausharren müsse. Kläglich schaute ich aus der Wäsche, nein aus dem Wasser. Erich packte mich am Halsband und zog mich kurzerhand raus. Aus Dankbarkeit spritzte ich ihn klitschnass. Das gefällt mir, hi hi. Nach diesem Erlebnis wurde ich geduscht. Ich war wütend. Endlich hatte ich mir eine feine Duftnote kreiert und dann dies. Ich biss um mich und meine Zähne schlugen gegeneinander. Natürlich nicht vor Kälte.
Nachher wurde ich fein gemacht (empfand ich jedenfalls nicht so) und wir gingen zu unseren Freunden. Alle vier Hundedamen begrüssten mich stürmisch. Auf einen solch freudigen Empfang war ich gar nicht vorbereitet. Da kenne sich Hund mit der Psyche einer Frau aus. Mir war es jedenfalls recht.
Ich beachtete sie nicht weiter und legte mich in den Schatten. Die können mich mal, auch ich habe eine kalte Schulter und genau die zeigte ich ihnen… na ja, ich versuchte es jedenfalls.
Nach einer Stärkung der Zweibeiner ging es wieder los. Ich ins Auto rein und ab durch die Mitte. Wir fuhren nicht lange und schon hiess es wieder aussteigen. Unter den Bäumen war es angenehm kühl. Verschiedene ungewohnte Düfte kitzelten meine Nase. Wo sind wir wohl jetzt gelandet? Viele verschiedene Menschen liefen da herum. Ich wurde in mir unbekannten Sprachen angesprochen. Mann und Frau bliebenb stehen, tätschelten mich und sprachen mit süssester Stimme. Meinten die wirklich mich? Es scheint so. Eine Frau brachte mir sogar frisches kühles Wasser. Von Fremden nimmt man nichts. Das habe ich von Erich und Claudia gelernt, also liess ich es als artiger Hund bleiben.

Ich war in bester Gesellschaft. Fast an jedem Marktstand hatte es Vierbeiner. Ich interessierte mich wenig bis fast gar nicht für sie. Andere Sachen waren für mich viel wichtiger. Es gab auf der Landkarte Boden viele tolle Neuigkeiten zu lesen. Die verrate ich euch nicht. Hund geniesst und schweigt.

Zu guter Letzt gingen wir in ein „Beizli“ (Restaurant) am Meer. Diese Zeit habe ich total verschlafen. Es war äusserst bequem unter dem Tisch und vom Meer her wehte ein kühler Wind. Das Auf und Ab der Wellen macht eben schläfrig. Zudem habe ich Spaniens Gepflogenheiten längst angenommen.
Versucht einmal einem Spanier die Siesta abspenstig zu machen….. Das versucht man nur einmal in seinem Leben. Das geht mit Sicherheit ins Auge!

Ich werde verwöhnt und das nach Strich und Faden. Nur die besten Leckereien sind gerade gut genug für mich. Gestern frass ich zum ersten Mal in meinem Leben Lammkoteletten. Dafür würde ich weit laufen. Das ist so was von köstlich. Auch die Knochen die man hier bekommt, lecker, lecker. Die deponiere ich immer ein wenig in der Sonne und führe sie mir, erst wenn sie fein riechen zu Gemüte. Wie man sch bettet, so liegt man. Ein wahres Wort!
A propos liegen. Ich habe viele Quadratmeter zur Verfügung und schon manches Lieblingsplätzchen erkoren. Der am meisten bevorzugte Ort ist der neben meinen Zweibeinern. Dann habe ich sie vollends im Griff.

Heute sind wir zum Mittagessen eingeladen. Ihr versteht es sicher, dass ich jetzt noch eine Prise Schönheitsschlaf nehme. Bis bald!!!

Alles Liebe und haltet schön brav die Ohren steif

Euer hundeglücklicher Dajosch
P.S. Wenn bei Erich der Schönheitsschlaf wirken würde, dann wäre er jetzt schon Mister Universum!!!!!