Sorry, wenn ihr mich durch die dunklen Wolken nicht gut hören und sehen könnt, ich bin aber da, zwar hundemüde, aber da - und ich begrüsse alle, die meine Erlebnisse lesen.
Heute war einfach ein weiterer Glückstag für mich. Der Tag fing schon umwefend toll an. In meinem Fressnapf gab’s nur die leckersten Sachen. Dann kam Claudia und verkündete mir, dass ich mich bereitmachen solle für die Schule. Ich war ganz aufgeregt. Sie nimmt mich zwar jede Woche 3x mit, aber heute freute ich mich besonders. Keine Ahnung, warum.
Ich tat mein Möglichstes und stürzte mich in Schale. Auf die Krawatte habe ich heute verzichtet. Das kommt bei den Jugendlichen sowieso nicht an und dieser Knoten macht mir noch grosse Mühe.
Menschenskinder, bin ich froh, dass ich ein Kerl bin, sonst hätte ich mir noch die Nase pudern müssen, geschweige von all dem anderen Schminkkrimskram, den ich mir noch ins Gesicht hätte schmieren müssen.
Als Mann hat man gewisse Vorteile, obwohl die Frauen uns das Leben machchmal ganz schön schwer machen. Ist doch wahr…!
Artig zottelte ich neben Claudia ins Schulhaus. Leider waren noch viel zuwenig Kinder auf dem Pausenplatz und so bekam ich nur spärliche Streicheleinheiten. Wieso müssen wir auch immer so früh zur Schule? Ich verstehe das nicht! Alle kommen immer viel später, nur mich schleppt man mitten in der Nacht in diese Gehirnfolterkammer.
Unterwegs begrüsste ich einen Kollegen von Claudia und beschnupperte ihn aufs Genaueste. Der roch fein nach ganz grossem Hund. Leider musste ich herzhaft niesen und der arme Mann duschte das 2. Mal, nur diesmal unfreiwillig. Mir war dieses Maleur sehr peinlich.
Endlich, nach einer Ewigkeit kamen meine Schüler und ich konnte schmusen. Das tat sooooo wohl.
Ich kenne die meisten Geheimnisse, Sorgen und Nöte meiner Kinder, aber verraten tu ich gar nichts. Meine Lippen sind versiegelt. Das ist Ehrensache. Meist versuche ich sie fröhlicher zu stimmen. Das ist manchmal allerhärteste Knochenarbeit, aber es lohnt sich alleweil. Ab und zu weine ich mit ihnen, denn geteiltes Leid ist ja bekanntlich halbes Leid.
Heute brauchte ich viel Substanz und bin nun dementsprechend müde, aber oberzufrieden.
Als wir nach Hause gingen, kamen jede Menge Kinder und streichelten mich. Ich stand ganz still und genoss es. Da ich ja ein cleveres Bürschchen bin, habe ich schnell kapiert, wie man das macht. Wirf dein Herz den Kindern entgegen und bleib ganz ruhig stehen, auch wenn dich 50 Hände gleichzeitig anfassen, auch dort, wo du es nicht so toll findest.
Ich kann euch sagen, genau solche Momente der Nähe machen das Leben weit mehr als lebenswert und sinnvoll. Ich freue mich enorm, dass man mir so eine wichtige und tolle Arbeit anvertraut hat und ich sie ausführen darf…
Alles Liebe
euer müder, aber überglückicher Dajosch “Schulsozialarbeiter”
Übrigens, wisst ihr, was der Schulleiter über mich gesagt hat? - Ich sei das natürliche Psychopharmaka für die Schüler…